Weltlicht – Halldór Laxness

Weltlicht - Halldór Laxness

Ein trauriges Buch für die geduldige Leserschaft, das ich mit Freude gelesen habe: In „Weltlicht“ von Halldór Laxness lesen wir von einem, der es von Anfang an schwer hat: Dichter Olafur Karason, ein zutiefst missverstandener Mensch.

Bewertet mit 4 von 5

Inhalt „Weltlicht“

Olafur Karason hatte nie eine Chance: Weil seine Mutter ihn weggibt, landet er als Gemeindekind in Fotur unter Fotarfotur, wo er hart arbeiten und seinen Hang zum Dichten aufgeben soll. Beleidigungen, Prügel und Hunger stehen an der Tagesordnung – und doch verliert er nie die Hoffnung, denn er ist nicht bereit, jemand zu werden, der er nicht ist.

Ein Außenseiter

"Es konnte ihn viele Stunden kosten, eine Übersicht über einen vergangenen Tag in sein Tagebuch zu schreiben, alles war eine Erfahrung, ein interessantes Wort, das ein namenloser Mensch fallenließ, war ein neuer Ausblick, eine unbedeutende Information ein neuer Sonnenaufgang, ein gewöhnliches Gedicht, das er zum ersten Mal las, der Beginn einer neuen Epoche, wie ein Flug um den Erdball; die Welt war mannigfaltig, großartig und reich, und er liebte sie."

Er liebt die Welt – aber die Welt liebt ihn nicht.

Ehe wir seinen Namen erfahren, haben wir die anderen schon kennen gelernt. Er kommt immer zum Schluss, niemandem liegt ernstlich etwas an ihm: Olafur Karason.

Als Gemeindekind landet er in Fotur unter Fotarfotur, muss abwechselnd hart arbeiten, hungern, Schläge einstecken, sich Vorwürfe und Beleidigungen anhören oder im Bett von Krankheit und Prügel erholen. Irgendwann steht er nicht mehr auf – und wird liegend weggebracht, als man ihn rausschmeißt.

Ein Dichter

Er will nicht viel: Das Feine und Schöne finden, das ist sein Ding. Er schöpft Hoffnung, zunächst aus dem Gedanken, eines Tages die Felsenburggeschichten lesen, später etwas für andere schreiben zu dürfen. Er möchte Dichter werden, als O. Karason Ljosvikingur Verse für die Menschen schmieden, ihnen etwas schenken, ihr Leben besser machen als sein eigenes. Doch das isländische Volk hält nichts von Dichtern, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten – und so stößt er immer wieder auf Unverständnis.

Die Frage, die aufkommt, lautet: Kann man seine eigene Wahrheit leben in einer Welt, die andere Vorstellungen hat? Karason versucht das jedenfalls beharrlich.

Ein guter Mensch

Obwohl er nichts richtig, es niemandem recht machen kann, ist Olafur für mich ein sympathischer Protagonist. Er hegt keinen Groll, konzentriert sich auf das, was ihm Trost spendet – ein Stück vom Himmel anzusehen reicht ihm, um zu vergessen, was ihm angetan wurde. Es war schwer, die Dinge zu lesen, die er einstecken und sich anhören muss. Ich hätte mir so sehr ein anderes Leben für ihn gewünscht. Aber „Weltlicht“ ist kein helles Buch, es ist ein dunkles, wenn auch nicht ohne Hoffnungsschimmer.

Seine spätere Frau bringt zum Vorschein, was er ist für ein Mensch: Er liebt sie nicht, aber er hat ihr in einer schwachen Stunde ein Versprechen gegeben – und er hält es. Er ist empfänglich für Mitleid, hat ein starkes Pflichtgefühl, gegen das er nicht ankommt. 

… aber nicht ohne Fehler

Er ist abhängig von dem Wohlwollen seiner Umgebung: Seine Frau geht arbeiten, er bleibt bei dem Kind, mit dem er am meisten anfangen kann, wenn es krank ist. Er schreibt, wenn andere ihm gerade gut gesinnt sind. Er ist wahrlich keine große Hilfe für seine Familie, er liebt nicht so, wie man es sich erhofft. Und doch: Ich mochte Olafur und wie er die Welt sieht, von der er nie ein Teil wird, jedenfalls nicht so, wie die anderen es erwarten. Die Gesellschaft ist nicht fehlerfrei, im Gegenteil. Tja. Und dann ist es unser unbedarfter Dichter auch nicht mehr:

Damit das Buch nicht eintönig wird, bringt der Autor diesen Mann, den wir bis dahin vielleicht sympathisch fanden, den wir womöglich bemitleidet haben, in eine Situation, die uns ein anderes Bild präsentiert. Herrlich, was das in einem auslöst. Er hat getan, was er getan hat, und er muss damit leben – genau wie die Leserschaft.

Ein Happy End zum Suchen

Am Ende fühlt sich alles rund und stimmig an, es ist ein gelungener Abschluss dieser langen Reise. Wenn ich an Olafurs Leben denke, sehe ich den Schmerz und das Sehnen, aber es gibt auch ein Happy End, wenn man so will – und genau hinschaut. Seine Suche (S. 568) endet, er findet. Er lebt fortan nicht in Frieden und Glückseligkeit, wie hätte das hier gepasst? Manchmal geht es eben nicht darum.

Aufbau/Stil

Das Buch sieht nicht aus wie der dicke Schinken, den ich erwartete, ist aber schwer und hat es in sich: Vier Teile verteilen sich kleingedruckt auf dem dünnen Papier:

Halldór Laxness erhielt 1955 den Literaturnobelpreis. Mit „Weltlicht“ hat er eine traurige Geschichte geschrieben, die ich mit Freude gelesen habe. Ich glaube, es ist die Mischung: Wir haben hier so viel Leid, mal ist der Ton kühl, dann wieder einfühlsam, man fühlt mit. Es gibt einen gewissen Humor – und immer diese kleine Hoffnung. Die Gedichte sorgen für Abwechslung, auch die Landschaft wird beschrieben. Es gibt Krieg. Und so etwas wie Elfen und Geister, die noch mehr von der Rätselhaftigkeit hineinbringen, die sowieso herrscht. Laxness bringt all das so zusammen, dass es mir manchmal irre seltsam vorkam, aber immer fesselnd. Ja, man braucht Geduld, um dieses Buch zu beenden – und ich würde es wieder lesen. Es gibt Szenen, die so viel Eindruck auf mich machten, dass ich sie lange nicht vergessen werde. Und markiert habe ich mir auch die eine oder andere Zeile.

Fazit

Ein schweres Buch, das ich gerne gelesen habe, eine traurige Geschichte, die ein Happy End bereithält, das es zu erkennen gilt. „Weltlicht“ von Halldór Laxness wird mir in Erinnerung bleiben. Kein Buch für alle, aber ein Schatz für die geduldige Leserschaft.

Zusammenfassung Weltlicht von Halldór Laxness 

Dieses Buch ist für dich, wenn du

Weltlicht - Halldór Laxness

Weltlicht – Halldór Laxness

Originaltitel: Heimsljós (1938)

Übersetzung: Hubert Seelow

Verlag: Steidl

Erschienen: 02/2012

Seiten: 646

ISBN: 978-3-86930-400-7

Hinweis: Die Taschenbuchausgabe ist aktuell vergriffen. Das eBook ist erhältlich, z. B. über:

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