Ein weites Leben – M. L. Stedman

Ein weites Leben - M. L. Stedman

„Ein weites Leben“ ist ein epischer Generationenroman über folgenschwere Momente, die sich nicht rückgängig machen lassen – und darüber, wie man ein ehrliches Leben führen kann, wenn die Wahrheit keine Option ist.

Bewertet mit 4.5 von 5

Werbung, da Rezensionsexemplar

Inhalt

Die MacBrides führen eine Schafzucht in Westaustralien. 400 Hektar umfasst Meredith Downs. Sie lieben ihr Land, mit all seiner Schönheit – und Gefahr. 1958 sterben Vater Phil und Sohn Warren, der die Farm eines Tages übernehmen sollte, bei einem Autounfall. Zurück bleiben der schwer verletzte 17-jährige Matthew, der immer davon träumte, die Welt zu sehen, sowie seine Schwester Rose und Mutter Lorna. Noch während Matt in kleinen Schritten zurückfindet, geschieht erneut etwas Unumkehrbares, das nicht nur ihn aus dem Leben reißen wird.

Für alle, die Ambivalenz aushalten 

Der Roman beginnt mit einem Autounfall, doch das ist längst nicht alles. Die Autorin konfrontiert uns mit mehreren Themen, die in der Welt zu dieser Zeit gesellschaftlich nicht tragbar waren und auch heute noch moralisch schwierig bis verboten sind. Sie schreckt nicht davor zurück, sie einfach zu zeigen, hier, Leserschaft, das mag sich schlimm anfühlen, einem Skandal gleichkommen, aber es ist nur der Anfang, nicht mehr und nicht weniger, komm damit klar. Ha! Sie macht das wirklich großartig. Vielleicht zuckt man erst einmal zurück, doch je mehr Hintergrund und Beweggründe man erhält, desto stärker folgt man der Autorin und denkt in andere Richtungen. Ich war begeistert! Ich habe sowieso eine Vorliebe für Bücher, die ambivalente Gefühle auslösen – und „Ein weites Leben“ ist ein Paradebeispiel dieser Kategorie. Die Zerrissenheit, die man zuweilen fühlt … grandios! Egal, um welches Geheimnis es geht, sei es Matts oder Pete Peacheys: Sie fragt nicht danach, ob oder wie richtig bzw. falsch es ist. Sie schaut sich an, wie es entstanden ist, was die Folgen sind, was aus einem Menschen wird, der etwas erlebt hat, das über sein ganzes Leben entscheidet. Manchmal ist das ein einziger Moment – und der Konflikt wird nie aufgelöst. Letztlich, ja, indirekt, aber nicht so, wie man sich das vorstellt. Hier gibt‘s die lebenslange Konsequenz eines Ereignisses, die ganze harte Geschichte – und schon früh ein Verstehen statt Verurteilen. Das muss man erst einmal schaffen.

Charaktere

Matt ist ein Charakter, der mir in Erinnerung bleiben wird. Er steht für so viel stille Verantwortung, dass es mich fertiggemacht hat. Außerdem bin ich ein großer Fan der Wahrheit – und wenn sie noch so schlimm ist. Die kann Matt nicht aussprechen – und doch ist er einer der aufrichtigsten Protagonisten, von denen ich zuletzt gelesen habe. Wie auch immer das möglich ist – M. L. Stedman hat es geschafft.

Die anderen Figuren sind ebenfalls gut gezeichnet, jede hat ihre eigenen Geheimnisse und ist für sich interessant. Selbst Nebenfiguren wie Myrtle vom Postamt, die sich keine Beerdigung entgehen lässt, konnten mich einfangen.

Licht und Schatten

Die Geschichte beginnt mit einem Unfall, der zwei Menschen – Phil und Warren MacBride – das Leben kostet und einen dritten – Matt – zurücklässt, der sich zurückkämpfen muss, nur um am Anfang des Weges erneut etwas zu erleben, das ihn für immer verändern und alles Weitere bestimmen wird. Ja, es ist ein schweres Schicksal, das die Familie (er-) trägt. Es geht um Schuld, um Gefahren und das, was man ihnen entgegensetzen kann – oder auch nicht. Um weitreichende Entscheidungen und Zufälle, um das, was man ändern kann – und das, was sich nicht rückgängig machen lässt. Kurz: Es geht um das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.

"Wenn du genauer darüber nachdenkst, ist das Leben doch für jeden ein Gefängnis. Ein Knast aus Lebenszeit, sozusagen. Ich denke mal, der Trick besteht darin, dich in deinem Knast wohlzufühlen, wie auch immer der aussieht. Innen drin deine Freiheit zu finden."

Höhen und Tiefen! Falls der Eindruck entstanden ist, das Buch sei zu schwer: Nein. Es gibt Liebe und so viel Sanftheit. Es geht um Zugehörigkeit, Verbundenheit, Mitgefühl und Hoffnung. Es ist nicht zu leugnen, dass der Roman einem das Herz zerreißt – aber er erwärmt es auch. Und trotz allem gibt es sogar schöne, friedvolle Enden.

Aufbau/Stil

Bei „Ein weites Leben“ handelt es sich um einen einfach geschriebenen Roman, an den ich mich ein paar Kapitel lang gewöhnen musste. Manches wirkte zunächst lang und gleichförmig, auch die Sprünge in der Zeit (und -form) fallen auf. Ehrlich, ich dachte: Puh, das wird sich ziehen. Aber ich hatte ja keine Ahnung, was noch kommt! Als ich drin war, konnte ich gar nicht mehr aufhören. Auf einmal wollte ich nicht, dass das Buch jemals zu Ende geht. Ich bin versunken in diesem Schmöker und habe mich jedes Mal gefreut, zu den MacBrides zurückzukehren.

Fazit

„Ein weites Leben“ ist ein Wälzer, den ich gerne noch einmal lesen würde. Aber ohne all das, was ich jetzt weiß. Tja, ich kann die Lektüre nicht ungeschehen machen – und auch die Figuren können nicht zurückgehen und anders handeln. Also leben wir mit den Folgen, so gut es geht. Für mich heißt das: Ich behalte den Roman in bester Erinnerung und empfehle ihn allen, die Ambivalenz aushalten. Denn dies ist sicher keine Geschichte, die schnell zu einer „Vergesserung“ wird. 

Zusammenfassung Ein weites Leben von M. L. Stedman

Dieses Buch ist für dich, wenn du

Ein weites Leben - M. L. Stedman

Ein weites Leben – M. L. Stedman

Originaltitel: A Far-Flung Life (2026)

Übersetzung: Cornelius Hartz

Verlag: Blanvalet

Erschienen: 25.03.2026

Seiten: 528

ISBN: 978-3-7645-1005-3

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