
Berührend: In „Offenes Wasser“ erinnert sich der Erzähler an die bevorstehende Geburt seiner Tochter und den Suizid seines Vaters.
Inhalt
Es beginnt im Wasser – und der Vater des Erzählers beendet es im Wasser: das Leben.
Kurz vor der Geburt seines ersten Kindes verschwindet sein Vater. Ein neues Leben beginnt, ein Suizid steht im Raum – und der Protagonist beschreibt, wie das ist, wenn man Vater wird – und sein Vater wird.
Eine berührende Umkreisung
Zunächst das Einschränkende:
Der Text wird nicht jeden Geschmack treffen, denn er wirkt durcheinander. Er ist vermutlich nicht annähernd so chaotisch wie die Seiten, die er in der Akutphase geschrieben und verworfen haben will, aber doch ungeordnet. Er, ich, du – die Erzählung hält sich nicht an eine einheitliche Form. Die Verwirrung des Erzählers wird deutlich, er ist noch immer aus der Fassung. Das ist verständlich, sorgt jedoch dafür, dass man selbst unsicher wird.
Es tauchen einige Wiederholungen auf, was sich kaum vermeiden lässt, denn es geht um das Leben und den Tod, um den Vater, der nicht mehr da ist, und das Vaterwerden, Vatersein. Freud und Leid, so nah beieinander. Es gibt Fragen, die für immer unbeantwortet bleiben werden. „Offenes Wasser“ ist eine Umkreisung – und so liest es sich.
Es ist nicht leicht, alle Gedankengänge nachzuvollziehen, doch – und hier kommt das fette Aber – eines gelang mühelos: Die Sätze berührten mich. Da ist eine Verletzlichkeit in den Worten, die mich neben der Ehrlichkeit, die ich herauslas, tief beeindruckte.
"Wünschte, jemand würde rufen: "dieser Mann leidet", und mich vorführen wie eine seltene Art. Ich wollte etwas, für das ich mich auf der Stelle hätte schämen müssen."
I Notizen, S. 9, 7 %
Es ist ein nachdenkliches und trauriges Buch, das in die entsprechende Stimmung versetzt, und es ist aufgrund der starken Wortwahl, die dafür sorgt, dass jeder Satz wohlüberlegt erscheint, und der Tatsache, dass die Erzählung bewegt, lohnend, sich auf die Lektüre einzulassen.
"Ich wollte seine Abwesenheit in der Welt mit der Anwesenheit von Worten füllen, wollte, dass wir viele wären, die an ihn dachten, dass die Gedanken eine Kraft bildeten. Aber wer kann schon so um einen Menschen trauern, wie er es verdient."
I Notizen, S. 9, 8 %
Wasser
„Offenes Wasser“ heißt das Buch – und das Element spielt eine große Rolle, tritt als Eis, Dampf und in flüssiger Form auf.
Es ist der Fluss des Lebens, um den es hier geht – und Pedersen hat das geschickt eingebaut.
Auch das Motto ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert:
„Den Wirbeln des Flusses gleich kreist die Trauer …
Heraklit“
Es gibt keine Beständigkeit, vielmehr verändert sich alles ständig.
Es geht um Identität und Wandel, um Verschiedenheit und Gegensätzlichkeit – und doch um Zusammengehörigkeit.
Aufbau/Stil
Die 108 Seiten verteilen sich auf XII Kapitel, zudem gibt es einen Epilog.
Die Personen werden – bis auf eine Ausnahme – nicht namentlich genannt.
Der Autor schreibt poetisch, wählt seine Worte sorgfältig, ist ein Stilist, der ein starkes, ein kluges Buch über die Trauer geschrieben hat, das ich gerne gelesen und in dem ich alles geglaubt habe.
Fazit
„Offenes Wasser“ wird nicht jeden Geschmack treffen. Dafür wirkt es zu durcheinander, auch der sehr eigene Stil wird manchen nicht gefallen. Das ist okay. Mich beeindruckte die Verletzlichkeit in den Sätzen, die Ehrlichkeit, die ich herauslas, die sorgfältige Wortwahl. Ja, ich habe es gern gelesen, obwohl bzw. weil es echt-schmerzlich rüberkommt.
Zusammenfassung Offenes Wasser von Daniel Pedersen
Dieses Buch ist für dich, wenn du
- einen poetischen Text und sehr eigenen Stil zu schätzen weißt
- mit einer Erzählung zurechtkommst, die etwas ungeordnet wirkt
- mit dem Thema Suizid und einer Auseinandersetzung damit klarkommst

Offenes Wasser – Daniel Pedersen
Originaltitel: Öppet vatten (2021)
Übersetzung: Hannes Langendörfer
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: 24.02.2025
Seiten: 108
ISBN: 978-3-518-47467-9
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