„Der andere Arthur“ ist ein psychologischer Roman über Einsamkeit, Scham und die Frage, was es braucht, wenn das Leben so schwer wird, dass man nicht mehr vorwärtskommt.
Inhalt
Arthur Opp, ehemaliger Literaturprofessor, ist stark übergewichtig und hat seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen. Er versinkt in Einsamkeit und Verwahrlosung.
Alles, worauf Kel Keller hofft, ist ein Sportstipendium. Na ja – und dass seine Mutter aufhört zu trinken.
Arthur und Kel kennen sich nicht. Doch Arthur kennt Kels Mutter, denn Charlene war eine seiner Studentinnen – und etwas mehr. Noch Jahre später schrieben sie sich Briefe, ehe der Kontakt abbrach. Nun erhält Arthur wieder eine Nachricht – und er merkt: Irgendetwas stimmt nicht …
Arthur Opp
Dies ist ein Roman, der sich ganz auf seine Figuren konzentriert, daher werfe auch ich einen Blick auf die beiden Protagonisten:
Zunächst lernen wir Arthur Opp kennen, ehemaliger Dozent in Manhattan. Im Vordergrund steht die Kennenlerngeschichte zwischen ihm und Charlene, eine seiner Studentinnen, in der er mehr gesehen, ja, Teile von sich erkannt hat. Die beiden kommen sich näher, ehe sie weggeht. Es bleibt eine Brieffreundschaft, aus der Arthur enorme Freude zieht, obwohl er, um die Wahrheit zu verdrängen, viele Lügen erzählt. Letztlich schläft auch dieser Austausch ein – und er bleibt zurück. Er bleibt immer zurück.
Inzwischen schämt er sich für den Menschen, zu dem er geworden ist. Er kann sich kaum bewegen, das Haus verkommt. Als sich Charlene nach Jahren der Funkstille meldet, kann er sein Glück kaum fassen.
Um an diesen Punkt zu kommen, braucht es gefühlt eine kleine Ewigkeit. Ist der Aufbau zu lang geraten? Nun ja, letztlich verstehe und akzeptiere ich die Entscheidung. Zudem habe ich Arthurs Story grundsätzlich gerne verfolgt. Ich mochte ihn, weil er seine Situation und Gefühle versteht. Man spürt, dass ihm andere wichtig sind, oft wichtiger als er sich selbst ist.
Kel Keller
Kel ist Schüler. Bis auf Sport und Kunst eher ein schlechter, doch das juckt ihn nicht. Er will Baseballprofi werden – und hat sogar das Zeug dazu.
Leider trägt er eine Menge Verantwortung, denn er ist allein mit seiner Mutter und muss aufpassen, dass Charlene am Leben bleibt.
Kel ist ebenfalls glaubwürdig gezeichnet, ein Jugendlicher, der nicht immer korrekt, aber irgendwie doch nachvollziehbar reagiert. Auch er macht die Erfahrung, zurückzubleiben – und das verbindet ihn mit Arthur Opp.
Das Rätsel um Charlene
„Der andere Arthur“ bleibt in Teilen rätselhaft, insbesondere Charlene wird als Figur nicht ausgeleuchtet. Wir erfahren durch die beiden männlichen Perspektiven, wer sie für den jeweiligen Charakter war und weshalb. Ihre Sicht kriegen wir nie – und so müssen sich alle Beteiligten – Arthur Opp, Kel, die Leserschaft – damit abfinden, dass es auf manche Fragen keine Antwort geben wird.
Charlene ist die Verbindung zwischen Arthur und Kel. Arthur, der lange bewegungsunfähig war, und Kel, der die Dinge anpackt und sein Ziel verfolgt, dessen Leben viel dynamischer daherkommt. Zunächst. Denn im Verlauf kehrt sich das Ganze quasi um. Und ich finde, dass man daraus einiges ziehen kann.
Ein stiller Roman
„Der andere Arthur“, im Original „Heft“ (ein auf allen Ebenen sehr passender Titel), ist ein ganz leises Buch über Einsamkeit, Fürsorge, Scheitern und Neuanfänge.
Ich habe nichts gegen ruhige Geschichten, im Gegenteil, manchmal sind sie richtige Highlights. Und so konnte ich auch „Der andere Arthur“ etwas abgewinnen: Die Figuren handeln stimmig, entwickeln sich, springen über ihren Schatten. Der Alltag der Protagonisten ist traurig, aber nicht zu schwer, da man nicht so nah rankommt, eher auf Abstand gehalten wird. Manches bleibt verborgen, doch am Ende gibt es vorsichtige Möglichkeiten, eine Ahnung von Hoffnung.
Es ist allerdings kein Buch für all diejenigen, die auf allzu dramatische Ereignisse und spannende Handlung hoffen. Das, was man hier gespannt verfolgt, sind die inneren Bewegungen – und dafür muss man in der Stimmung sein.
Die Autorin schreibt unaufgeregt, eher elegant als durch Spielereien auffallend. Die beiden Ich-Erzähler sind unterscheidbar, was mir gefallen hat. Kel sagt einmal etwas, das mir in Erinnerung bleiben wird, weil ich das für sehr wahr halte:
"Ich habe das Gefühl, Menschen sind erst dann wirklich tot, wenn man nichts Neues mehr über sie erfährt."
Der andere Arthur, S. 369
Fazit
„Der andere Arthur“ ist ein ruhiger, zurückhaltender Roman von Liz Moore. Er hat mich nicht tief erschüttert, aber durch die feine Beobachtung und leise Entwicklung der Figuren doch gefesselt. Zudem zeigt er eindrücklich, dass Veränderung selten allein geschieht, sondern dort beginnt, wo Menschen einander sehen, unterstützen und aushalten.
Zusammenfassung Der andere Arthur von Liz Moore
Dieses Buch ist für dich, wenn du
- psychologische Romane magst
- mit schweren Themen klarkommst
- mit offenen Fragen leben kannst
Der andere Arthur – Liz Moore
Originaltitel: Heft (2012)
Übersetzung: Cornelius Hartz
Verlag: C. H. Beck
Erschienen: 30.01.2026
Seiten: 377
ISBN: 978-3-406-84333-4
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