Charlotte Link – Die Entscheidung

Inhalt

Charlotte Link erzählt hier die Geschichte von Simon aus Deutschland. Er wollte ein besinnliches Weihnachtsfest mit seinen Kindern und anschließend ein romantisches Silvester mit seiner Freundin Kristina verbringen. Doch es kommt anders: Seine bei der Mutter lebenden Sprösslinge versetzen ihn, Kristina beendet die Beziehung – und er sitzt alleine in Südfrankreich. Geht es schlimmer? Eindeutig ja! Denn als er zufällig auf eine gebrechliche Frau trifft, die ihn flehentlich um Hilfe bittet, wird er in eine hochgefährliche Geschichte verstrickt. Eine Geschichte, die nicht nur ihn in Lebensgefahr bringt…

Meinung

Das neue Buch von Charlotte Link ist aufgebaut wie ihre anderen Werke: Man lernt erst einmal eine Menge Leute kennen und kurz bevor man befürchtet, den Überblick zu verlieren, sind alle Personen eingeführt und jeder Strang wird separat weitergeführt, ehe letztlich doch alles zusammenkommt. Das hat sie wie immer gut hinbekommen. Jeder einzelne Part ist für sich interessant und spannend. Ich war trotz der 577 Seiten rasch durch.

Handlungsorte des Romans sind Frankreich und Bulgarien, auch wenn Simon normalerweise in Deutschland wohnt und arbeitet. Die Charaktere sind vielfältig: Simon tritt scheinbar von einem Fettnäpfchen ins nächste und muss von allen Seiten einiges einstecken. Es wird ständig wiederholt, wie untergeordnet er doch ist und wie wenig Partei er für sich oder die Dinge, die ihm wichtig sind, ergreift. Irgendwie tat er mir nach einiger Zeit wirklich leid. Die Figur wirkt reichlich überspitzt.


Natalie, die er am Strand aufgabelt und die ihn in diese undurchsichtige, mörderische Story hineinzieht, hatte eine schwere Kindheit und ist offenbar völlig abhängig von ihrem verschollenen Freund. Auch diese familiären Umstände werden dauernd zur Sprache gebracht, obwohl der Leser zwischenzeitlich wirklich Bescheid weiß.


Dann haben wir noch Selina und Ninkas Familie aus Bulgarien. Selina erlebt in Frankreich einen Höllentrip und Ninkas Familie, die eigentlich nur das Beste für ihre Tochter wollte, durchlebt ebenfalls einen Alptraum. Auch diese Personen sind gut gezeichnet, wenn auch weniger scharf. Von Simon liest man einfach deutlich mehr, er ist der Protagonist. Ob er sich für diese große Rolle wirklich eignet, auch wenn er durchaus eine Entwicklung durchmacht, ist fraglich. Wobei berücksichtigt werden muss, dass mit einem stärkeren Charakter diese Story kaum möglich gewesen wäre. Hier war tatsächlich jemand vonnöten, der sich derart (normalerweise abgrundtief unglaubwürdig) einbinden lässt. Aber dem „armen Würstchen“, wie er ja immer und immer wieder präsentiert wird, traut man irgendwann fast alles zu.


Die Figuren handeln oft absurd, anders hätte die Geschichte eben diesen Verlauf nicht nehmen können.
Wie sicher schon aufgefallen ist: Es ist ein sehr düsteres Buch. Die Stimmung ist hier wie dort niedergeschlagen, das Wetter könnte kaum schlechter sein, es mangelt nicht an Toten und die Bedrohungen sind jeweils nicht komplett abzuschätzen. Mir hat der Krimi insofern gut gefallen. Es gibt stets offene Fragen, die zum Weiterlesen anregen, und die ganze Wahrheit, wenn man sie nicht schon erahnt, kommt erst auf den letzten Seiten zum Vorschein. Hier schwenkt Frau Link dann auch nicht ins andere Extrem und verschafft jedem ein Happy End, was ich teilweise begrüße. Teilweise aber auch nicht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, da die Autorin verschiedene Fäden gesponnen hat, die alle für sich fesselnd sind und gekonnt zusammengeführt werden. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Ihr Schreibstil ist gewohnt gut und mitreißend. Mich haben allerdings die penetranten Wiederholungen gestört, die es absolut nicht gebraucht hätte. Inwiefern man das Ende absehen kann, ist natürlich ganz individuell – ich finde jedenfalls, dass es Charlotte Link so oder so gelungen ist, einen packenden Krimi zu schreiben, den man gar nicht mehr weglegen möchte. Es ist allerdings keine unglaublich neue Geschichte, nichts, das mich umgehauen hat. Es ist ein solider Krimi, nichts Abgehobenes. Dennoch bietet „Die Entscheidung“ gute Unterhaltung. Im Nachhinein würde ich aber wohl auf das Taschenbuch warten.

Fazit

Nicht ihr bestes Buch, aber ein ganz gutes. Spannende Fäden um ein brisantes Thema. Charaktere teilweise überspitzt dargestellt, häufige Wiederholungen in diesem Zusammenhang.

3,5/5!

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