Rachel Joyce – Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Inhalt

Der Brief, der alles verändern sollte, kam an einem Dienstag.“ (S. 9, „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“)

So beginnt das wunderbare Buch um Harold Fry. Der 65-Jährige erhält Post von seiner ehemaligen Kollegin und Freundin. Sie verabschiedet sich per Brief. Krebs, nicht heilbar.

Harold bringt sein Mitgefühl zu Papier und macht sich auf zum Briefkasten. Und zum nächsten. Um dem danach. Es reicht nicht. Er kann doch nicht per Einzeiler akzeptieren, dass Queenie stirbt. Er muss zu ihr. Zu Fuß. Und so macht sich der Untrainierte auf den Weg von Devon nach Berwick upon Tweed.

Stil

Ein Kunstwerk! Das Buch ist wirklich wunderbar!

Ab der ersten Seite war ich gefesselt von der Story und dem Stil der Autorin. Sie schreibt warmherzig und gefühlvoll und besticht durch Kreativität. Es ist kein Einheitsbrei, der einem hier vorgesetzt wird. Ich hatte nicht das Gefühl, die Sätze so oder so ähnlich schon mal gelesen zu haben. Sie zieht viele neue Vergleiche und entdeckt außergewöhnliche Umschreibungen. Sehr talentiert!

Die Geschichte selbst steckt voller Wahr- und Weisheiten, ist aufgrund des Themas natürlich ernst und regt zum Nachdenken an.

Figuren

Die Figuren sind toll entwickelt. Harold und seine Ehefrau Maureen erscheinen völlig authentisch. Wie aus dem Leben gegriffen. Ich könnte sie mir problemlos als Nachbarn vorstellen. Die beiden führen eine Ehe, wie es sie sicher häufig gibt. Alltagstrott, immer wieder. Der Sohn kommt nie zu Besuch, Fremde werden gemieden, Vorurteile gepflegt. Es gibt Vorwürfe und Tage, die ohne nennenswerte Erlebnisse einfach verstreichen. Das ist nicht ungewöhnlich und daher absolut glaubhaft.

Die Motivation dahinter

Kritiker werden nach Harolds Motivation fragen. Er ist nicht religiös und doch pilgert er. Er nimmt kein Auto, sondern den steinigen Fußweg. Wie realistisch das nun ist, bleibt von jedem selbst einzuschätzen. Gefallen hat mir ein Satz von Seite 236: „Aber vielleicht braucht die Welt ja genau das: ein bisschen weniger Vernunft und ein bisschen mehr Glauben„. Ja, wieso nicht? Harold handelt vielleicht unvernünftig, aber er glaubt daran, dass Queenie auf ihn wartet, wenn er ihr nur weiter entgegenläuft. Und so macht das alles schon Sinn.

Fragen über Fragen

Wird Harold die Reise überstehen? Und Queenie? Wird sie leben, wenn er ankommt? Und was ist überhaupt mit seiner Ehefrau Maureen? Wird sie auf ihn warten? Oder vor die Hunde gehen?

All-age

Der Roman hat mir sehr gefallen. Ich habe mich so gerne mit Harold aufgemacht und seine Gedanken analysiert. Meiner Meinung nach ist das Buch für jeden etwas. Für jedes Alter. Für alle. Ich habe es so gerne gelesen. Und ich habe es auch schon verschenkt.

Fazit

Emotional packend und tiefgehend.

5/5!

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry: Roman (Hochkaräter)

Fortsetzung

Es gibt eine Fortsetzung zu diesem Buch, nämlich „Das Geheimnis der Queenie Hennessy – Der nie abgeschickte Brief an Harold Fry“

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