Zugvögel – Charlotte McConaghy

Inhalt

Franny erforscht in „Zugvögel“ die letzten Küstenseeschwalben. Ihre Wanderfüße haben sie nach Grönland geführt, wo sie drei Vögeln Peilsender angelegt hat, um ihnen zu folgen. Damit sie ihr Ziel erreicht, will sie den Kapitän eines Fischerbootes überreden, sie möglichst weit nach Süden zu bringen. Bisher hat sie nur Absagen kassiert, doch sie gibt nicht auf. Sie will in die Antarktis. Wird sie es schaffen? Und: Was verbirgt sie?

Die letzten Küstenseeschwalben

Charlotte McConaghy hat in ihrem Debüt „Zugvögel“ ein düsteres Szenario entworfen. Sie lässt ihre Protagonistin die letzten Küstenseeschwalben erforschen – und viele Wildtiere sind zu diesem Zeitpunkt längst ausgestorben. Eine Folge des Klimawandels, eine Folge der Menschen. Es ist eine melancholisch stimmende Geschichte – und eine, die erschreckend realistisch ist.

Die Protagonistin

Franny liebt die Natur, die Wildnis. Sie braucht die Freiheit, hat das Gefühl, weiter zu müssen, weg zu müssen, immer wieder. Sie ist ziellos – und sie ist es nicht. Denn die Vögel, die ihr seit jeher am Herzen liegen, sind ihr Weg, ihre Endstation. Sie will sie erreichen, koste es, was es wolle. Sie sind die letzten ihrer Art, es ist Frannys letzte Chance.

Die Protagonistin ist speziell. Habe ich viel mit ihr gemeinsam? Nein. Konnte ich alle ihre Entscheidungen verstehen? Nein. Habe ich mit ihr gefühlt? JA! Der Autorin ist es gelungen, mich für diese eigenwillige Frau zu interessieren, sie hat es geschafft, dass ich mit ihr gefiebert, gehofft, gebangt habe.

Fühlbar

Ich habe mit Franny gefühlt – und allgemein viel gespürt beim Lesen. Ernsthaft, ich habe gefroren, wenn es kalt war, wenn es um eisiges Wasser ging, das auf Haut trifft. Mir wurde anders, als ich begriff, wie verdammt übel mir bei den Wellen an Bord wäre, die da vor meinen Augen tobten (böser Flashback). Die Autorin schreibt gefühlvoll, fesselnd, poetisch und klar. Die Stimmung hat mich erreicht, die Emotionen haben mich gekriegt, die Naturgewalten, alles.

Aufbau

Es gibt 3 Teile, 29 Kapitel und einen Epilog.

Teil 1 ist ruhig, baut Rätsel auf. Teil 2 ist spannender und es gibt erste Auflösungen. Teil 3 bringt das Finale – und Klarheit.

Wir lesen abwechselnd aus der Zeit des Vogelzugs (das ist das Hier und Heute, ohne dass wir konkret wissen, wann dieses Heute ist) und aus der Vergangenheit. Franny verbirgt eine Menge. Ihre Backstory ist genauso mitreißend wie die Frage, ob sie ihr Ziel erreicht und was danach geschieht.

Mir hat der Aufbau gefallen. Die Autorin schafft es, für Spannung auf mehreren Ebenen zu sorgen. Sie macht Andeutungen, beantwortet die Fragen aber erst, wenn es wirklich an der Zeit dafür ist. Es fiel mir schwer, mich von den Seiten zu lösen, am liebsten hätte ich den Roman am Stück gelesen, weil ich diese Story schnellstmöglich durchschauen wollte.

Ende

Kurz vor dem Ende des Buches musste ich eine Lesepause einlegen. Ich hatte einen Termin – und ich habe ihn verflucht. Ich war so drin in dieser Geschichte, dass es mir mehr als nur ein bisschen schwerfiel, noch länger auf die finale Auflösung zu warten. Ich hätte „Zugvögel“ mitnehmen und im Wartezimmer lesen können, aber ich habe Tränen befürchtet (und dass mein Arzt mir deswegen stärkere Allergiemedikamente verschreibt, nein danke), deshalb habe ich das Buch gedanklich dabeigehabt. Wirklich. Es ist keine Geschichte, die man abstreift. Es ist eine, die nachhallt.

Nicht jede Auflösung hat mich überrascht, aber das Ende hat es geschafft. Ich hätte auf ein anderes gewettet. Dem Epilog stehe ich zwiegespalten gegenüber. Und weil ich nie zu viel verraten will, schreibe ich nur noch: Insgesamt passt für mich alles.

Fazit

Bewegend.

4,5/5!

Zugvögel: Roman

400 Seiten / ISBN: 978-3-596-70520-7 / Übersetzung: Tanja Handels


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