Der Markisenmann – Jan Weiler

Inhalt

Kim war zweieinhalb, als ihre Eltern sich trennten, ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Das ändert sich im Juli 2005: Kim, 15 Jahre alt, hat in „Der Markisenmann“ einen schlimmen Fehler begangen – und muss die Sommerferien bei Ronald Papen in Duisburg verbringen. Die an Luxus gewöhnte Jugendliche kann nicht fassen, wo sie nach nur einer Stunde Zugfahrt landet. Wie soll sie die sechs Wochen mit dem erfolglosen DDR-Markisen-Direktvertriebler herumkriegen? Und was verschweigt er?

Ruhig

„Der Markisenmann“ ist ein ruhiges Buch. Eine nicht alltägliche Alltagsgeschichte, die durch fatale Fehler, Geheimnisse, seltsame Begegnungen und sachte Annäherungen unterhält. Der Roman ist leicht und tiefgründig, komisch und ernst. Ich mochte die Mischung, auch wenn eine andere Gewichtung für mich effektiver gewesen wäre. Die Beschreibungen von Vater und Tochter auf Tour waren größtenteils interessant bis amüsant. Zum Ende hin hätte ich mir mehr Auseinandersetzungen gewünscht als misslungene Verkaufsgespräche. Die Schuld der Hauptfiguren, ihr Umgang damit sowie das Näherkommen von Ronald und Kim berührte mich. Diese bedeutsamen Phasen pausierten mir zu lange. Dadurch ist „Der Markisenmann“ lockerer und ulkiger geworden, was wiederum vielen gefallen dürfte.

Die Figuren

Kim ist 15, wird im Verlauf der Geschichte 16. Ich stand ihr die meiste Zeit über neutral gegenüber, wäre ihr gerne näher gekommen. Sie hat etwas getan, das Konsequenzen haben muss, in welcher Form auch immer. In ihrem Fall heißt das zunächst, dass sie nicht mit in den Sommerurlaub der Familie fliegt, sondern zu ihrem unbekannten Vater nach Meiderich fährt – gegen ihren Willen. Dafür lief mir ihre Ein- und Umgewöhnung zu schnell und glatt ab.
Ich mochte, dass sie ehrlich ist, ihre Fehler zugibt, zu ihnen steht. Die Schilderungen um ihre Mutter und Stiefvater Heiko, die beide immer mehr wollen – außer von ihr -, haben mich getroffen. Kim macht eine große Entwicklung durch, wird reifer, und das habe ich gerne beobachtet.

Ronald Papen ist unscheinbar, unbedarft und liebenswürdig. Er hat etwas „unerhört“ Zartes an sich, das mich gekriegt hat. Sein Geheimnis interessierte mich brennend. Was sollte jemand wie er auf dem Kerbholz haben?
Durch Kim, die vor unlauteren Methoden nicht zurückschreckt, kommt Bewegung in sein Leben. Wird er sich aus seinem selbst gebauten Gefängnis befreien können?

Alik gefiel mir. Papens wettbegeisterte Bekannte hätten nicht fehlen dürfen, auch wenn mir manche Szenen mit ihnen zu viel Raum einnahmen.

Nicht glaubhaft

Ein Roman muss für mich nicht zwingend eine Story beinhalten, die ich mir 1:1 im echten Leben vorstellen kann. Dennoch wünschte ich mir eine Portion mehr Glaubwürdigkeit. Diese hätte im Fall der Kaltakquise den Spaß geschmälert, aber Figuren wie Heiko und Papen hätten in meinen Augen von einem weniger überzogenen Verhalten profitiert.

Aufbau/Schreibstil

Das Buch besteht aus zwei Teilen und Kapiteln, die in den meisten Fällen nach dem jeweiligen Tag (Tag 1 bis Tag 44, nicht jeder wird beschrieben) benannt sind. Ich mochte das, weil ich dadurch einen guten Überblick hatte, an welcher Stelle der Ferien wir uns befinden.

Wir verfolgen die Story aus Kims Sicht in der Ich-Form.
Positiv fand ich die Andeutungen, die hier und da eingestreut wurden. Kim erzählt die Geschichte 17 Jahre nach dem beschriebenen Sommer, so dass sie Anspielungen machen kann, die neugierig stimmen und zum Weiterlesen anregen.

Der Autor schreibt locker und leicht. Gefühlt war ich in dem oft genannten „halben Stündchen“ durch, in Wahrheit waren es wenige Stunden. „Der Markisenmann“ ist eine schnelle Lektüre für zwischendurch.

Fazit

Wenn hässliche DDR-Markisen eine Verbindung zwischen Vater und Tochter schaffen – „Der Markisenmann“ ist eine Mischung aus humorvoll und ernsthaft, wenig glaubhaft, aber flott lesbar.

3/5!

Tragisch und komisch:

 

 

336 Seiten / ISBN: 978-3-453-27377-1


 

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