Die sieben Männer der Evelyn Hugo – Taylor Jenkins Reid

Inhalt

Die 79-jährige Evelyn Hugo gehört zu den größten Filmstars überhaupt. Die Hollywood-Schönheit stand mehr als 30 Jahre lang im Rampenlicht, ehe sie sich zurückzog. Seit Jahrzehnten gibt sie keine Interviews mehr, im Rahmen einer Kleiderauktion macht sie eine Ausnahme: Sie will Monique Grant ein Exklusivinterview geben.
Monique Grant? Das ist eine 35-jährige Journalistin, die seit einem Jahr für Frankie Troupe bei der Zeitschrift Vivant schreibt. Ihre Karriere stagniert, ihre Ehe ist gescheitert, sie ist ein Nobody. Und doch verlangt Evelyn Hugo nach ihr. Ausschließlich. Wie sich herausstellt, steht sogar noch mehr dahinter: Monique soll die Lebensgeschichte der Filmlegende in einem Buch festhalten. Warum sie? Und was wird Evelyn in „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ preisgeben?

Evelyn Hugo

Evelyn Hugo ist eine Glamour-Ikone, die keine Zufallsentdeckung war. Als sie ihre Mutter verlor und von ihrem prügelnden Vater wegwollte, ging sie ihre erste Ehe ein. Evelyn war 15 Jahre alt – und landete in Hollywood, denn der Job des Mannes war der Grund, ihn zu heiraten. Mit fast 17 kam sie ihrem Traum einen Schritt näher, doch wieder musste sie Opfer bringen. Ihr fiel nichts zu, die kubanischstämmige Amerikanerin war eine Kämpferin, die sich holte, was sie wollte. Der Preis war egal: Sie ließ ihre Vergangenheit hinter sich, setzte ihren Körper ein, benutzte Menschen.

Evelyn Hugo war berechnend, hat Herzen gebrochen – und sie steht dazu. Zunächst war ich hin- und hergerissen zwischen Faszination und Abscheu. Ihre Motive sind nachvollziehbar, ihre Handlungen dennoch nicht ohne Weiteres entschuldbar. Trotzdem kommt sie durch mit ihren Taten. Sie rechtfertigt Dinge, die schwer zu verteidigen sind. Ich habe ständig hinterfragt, wie ich ihr gegenüberstehe: Kann ich ihr verzeihen? Alles?

Monique Grant

Monique Grant versteht die Welt nicht mehr, als sie erfährt, dass Evelyn Hugo mit ihr sprechen will. Wieso sollte eine lebende Legende sie auswählen? Geht es darum, dass man Leute mit wenig Erfahrung besser beeinflussen kann?

Das Rätsel, weshalb Evelyn auf Monique besteht, bleibt bis zum Schluss erhalten. Ich war sowas von gespannt, denn ich mochte Monique. Sie ist eine herrlich normale Frau, frisch verlassen und von den Neuigkeiten verwirrt. Sie ist eine Person, mit der ich sofort gefühlt habe. Ich konnte ihre Nervosität nachvollziehen, habe mit ihr gerätselt.

Eine gelungene Mischung

Die Kombination aus knallhartem Hollywoodstar und unbedeutender Journalistin, die ihr Selbstbewusstsein erst suchen muss, hat funktioniert. Während man Evelyns Schachzüge verfolgt, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Erfolge bewundert, ist Monique eine Figur, in die man sich hineinversetzen kann. Sie ist ein Normalo. Die Gegensätzlichkeit war perfekt gewählt, es hätte nicht anders sein dürfen.

Die Tatsache, dass sich beide weiterentwickeln, ist gelungen. Nicht nur Monique, die an der Geschichte wächst, nein, auch Evelyn, die alles erreicht hat, macht eine Veränderung durch: Endlich sagt sie der Welt die Wahrheit.

Die Wahrheit

In Hollywood spielt jeder mit jedem und die Medien schreiben, was sie sehen wollen. Evelyn Hugo hat jahrelang gelogen, war manipulativ, entschlossen und schamlos. Hässliche Dinge haben sie nicht abgeschreckt. Doch jetzt geht es ihr um die Wahrheit, die einzig wahre. Sie will ernst genommen werden, will, dass die Leute sie so sehen, wie sie wirklich war. Sie will das zeigen, das sie nie offen zur Schau stellen konnte.

In „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ geht es um Macht. Es geht darum, Opfer zu bringen. Um Willensstärke und Durchhaltevermögen. Und ganz besonders geht es um die Liebe, um die verschiedenen Arten davon.

Die Geschichte mag auf den ersten Blick oberflächlich daherkommen. Aber sie ist es nicht. Ganz und gar nicht.

Berührend

Das hochgelobte Buch wird beworben mit dem Zusatz „Die einzigartige Liebesgeschichte, die hunderttausende TikTok-Userinnen zu Tränen gerührt hat.“ Ich bin in der Hinsicht eine leichte Beute, war darauf eingestellt, das eine oder andere Wort durch einen Tränenschleier zu entziffern, sofern mich die Story packen würde. Ich kenne das: Die Sicht verschwimmt, ich lese weiter, alles gut. Aber so war es nicht. Der Roman hat mich gekriegt – so richtig. Und er hat mich berührt – volle Kanne. Ich brauchte Taschentücher – und zwar an mehreren Stellen.

Nach manchen Werken brauche ich eine Pause, weil ich weiß, dass kein anderes mithalten kann. Nicht jetzt, nicht sofort. Dieses hier ist so eins.

Aufbau und Stil

Die Geschichte wird in 69 Kapiteln erzählt. Wir lesen von Monique, die den Großteil der Zeit mit Evelyn in deren Wohnung in Manhattan mit Blick auf den Central Park verbringt. Wir erfahren Evelyns Wahrheiten. Immer wieder werden Artikel aus Zeitschriften eingestreut. Ich wurde mit jedem Satz gut unterhalten, fand den Aufbau abwechslungsreich und geglückt.

Taylor Jenkins Reid schreibt leicht und flüssig. Die Zeilen kamen mir glatt vor, im allerbesten Sinne. Ich bin dahingeglitten, nirgends hängen geblieben, nie gestolpert. Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Schwung verloren, bin immer weitergerauscht. Jedes Wort war das richtige, ich hatte das Gefühl, noch nie derart schnell durch ein Buch gekommen zu sein.

Ich war gefesselt, wollte wissen, worauf das Ganze hinausläuft. Ich hatte meine Theorien, wollte sie bestätigt haben oder überrascht werden. Für alle, die weniger dabei sind, wird die Spannung erhöht, indem teilweise etwas vorweggenommen wird. Nicht zu oft, nicht so, dass es nervig ist oder billig wirkt.
Nach ein bisschen mehr als der Hälfte des Romans wartet eine Andeutung, die einem keine andere Option lässt, als weiterzulesen. Ich war neugierig, musste unbedingt erfahren, wieso es bitte schön dazu kommen sollte. Ich wollte „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ keine Sekunde aus der Hand legen, es fiel mir schwer, schwer, schwer.

Fazit

Ich lese tonnenweise Bücher, aber ich habe keine Ahnung von Filmen oder Schauspielern. Das Interessanteste an den Klatschmagazinen, die früher bei meinen Omas rumlagen, waren die Kreuzworträtsel. Promi-News reizen mich nicht. Wieso zur Hölle hat mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen?

Ganz einfach: Weil Taylor Jenkins Reid mit Evelyn Hugo einen vielschichtigen Charakter erfunden hat, bei dem es mir schwerfällt, zu glauben, dass er fiktiv ist. Sie hat ihn so gestaltet, dass er umstritten erscheint, das Potenzial hat, zu polarisieren. Sie lässt Fragen aufkommen: Wer ist Evelyn Hugo wirklich? Wieso hat sie siebenmal geheiratet? Wen hat sie geliebt? Ich wollte alles über die Frau wissen, die mich dazu gebracht hat, ihre unehrenhaften Taten und Entscheidungen zu akzeptieren.
Mit Monique hat sie eine Person erschaffen, die herrlich normal ist – und von der man wissen will, wie sie ins Bild passt.
Sie hat die richtigen Wörter gefunden, mich zu Tränen gerührt, Dinge verzeihen lassen, die unentschuldbar erscheinen. Sie hat wichtige Themen locker rübergebracht. Sie hat mich gefesselt bis zum letzten Satz.

Taylor Jenkins Reid hat alles richtig gemacht. So einfach ist das.

5/5!

Die sieben Männer der Evelyn Hugo: Roman

464 Seiten / ISBN: 9783548066738 / Übersetzung: Babette Schröder


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