Die stumme Patientin – Alex Michaelides

Darum geht’s

Vor sechs Jahren soll die Malerin Alicia Berenson ihren Mann gefesselt und ihm aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen haben. Seitdem ist sie verstummt. Alle bisherigen Therapieversuche sind gescheitert, doch der forensische Psychotherapeut Theo Faber will in „Die stumme Patientin“ alles daran setzen, Alicia zu helfen…

Einstieg

Es hat zwar erst beim zweiten Anlauf geklappt mit mir und dem Buch, dann aber so richtig. Denn ich war nun von Anfang an drin in der Geschichte und voller Zweifel und Spannung, was hier vorgefallen sein könnte.

Der Autor schreibt leicht und so gut lesbar, dass ich rasend schnell vorangekommen bin. Ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen und war vom Stil her sehr angetan.

Der Protagonist

In der Hauptrolle finden wir den 42-jährigen Psychotherapeuten Theo Faber, der über all die Jahre hinweg nie das Interesse an dem berühmt-berüchtigten Schicksal von Alicia verloren hat. Er bewirbt sich auf eine frei gewordene Stelle in der geschlossenen Anstalt, in der die verstummte Künstlerin untergebracht ist, weil er ihr unbedingt helfen möchte.

Wie kann es sein, dass sie immer noch schweigt? Er will dem bekannten Fall endlich auf den Grund gehen, beißt bei Alicia jedoch zunächst auf Granit. Auch sein Privatleben läuft zunehmend aus dem Ruder. Hier ist auf mehreren Ebenen für Spannung gesorgt.

Theo schildert die Geschehnisse in der Ich-Form, was ich sehr gelungen fand. Manchmal spricht er die Leser*innen auch mit „Sie“ an, so dass man den Eindruck gewinnt, er würde einem die Geschichte direkt anvertrauen. Dies tut er in recht kurzen Kapiteln, so dass man flott vorankommt.

Die Verstummte

Alicia, 39, ist die zweite Hauptfigur, denn sie ist „Die stumme Patientin“ höchstpersönlich. Sie soll ihren Ehemann, den Modefotografen Gabriel Berenson, vor sechs Jahren getötet haben. Seitdem spricht sie kein einziges Wort mehr, malte nur ein Selbstporträt, das allerdings mehr Fragen als Antworten liefert: Was hat die griechische Tragödie „Alkestis“ mit ihr und der Tat zu tun?

Auch sie erzählt uns ihre Geschichte. Immer mal wieder werden Tagebucheinträge von ihr eingestreut. Diese sind sehr persönlich und detailliert, so dass man auch hier einen guten Einblick erhält. Die Wahrheit lässt lange auf sich warten und wird erst am Ende komplett enthüllt.

War sie es – oder war sie es nicht?

Von Anbeginn an wird deutlich, dass Theo nicht an eine Schuld von Alicia glaubt. Damit gehört er aber eher einer Minderheit an. Die Polizei war sich sicher, auch die Auffindesituation scheint für sich zu sprechen. Die meisten verurteilen sie aufgrund ihrer angeblichen Gefühlskälte, die sie aus ihrem Verhalten herauslesen. Auch ihr Schweigen ist rätselhaft und gibt Anlass für Spekulationen.

Ich habe im Verlauf einige Theorien entwickelt. Eine Person habe ich schon recht früh angezweifelt, das gesamte Ausmaß war mir aber nicht klar, so dass ich für munteres Weiterrätseln offen war. Man hat oft das Gefühl, dass die Personen allesamt etwas verbergen könnten. Gegen Ende hat sich dann immer klarer abgezeichnet, was wirklich vorgefallen ist – und so war es dann auch. Der Weg zur Auflösung verliert nie an Spannung. Für mich blieb es bis zur letzten Seite spannend, auch wenn meine Zweifel früh bestanden.

Glaubwürdigkeit

Es handelt sich hier um einen Psychothriller. Es ist ein Buch. Natürlich muss nicht alles 100%-ig glaubwürdig sein. Allerdings fand ich einiges höchst zweifelhaft und unglaubwürdig. Es ist klar, dass manche Dinge eingebaut wurden, weil sie für den geplanten Verlauf wichtig waren. Sie halten aber keiner logischen Überprüfung stand, sind nicht plausibel.

Inwiefern man die fehlende Glaubwürdigkeit störend findet, hängt sicher vom persönlichen Geschmack ab. Mir fällt es etwas schwer, das Ganze so zu nehmen, wie es ist. Für eine logischere, glaubwürdigere Geschichte hätte ich dem Buch eine noch bessere Bewertung gegeben, weil mir der mitreißende Schreibstil so gut gefallen hat. Ich war sehr gefesselt und das Lesen ging so leicht, hat so viel Spaß gemacht. Aber einen kleinen Abzug werde ich bei der Bewertung doch vornehmen.

Fazit

Lässt sich super lesen, ist rätselhaft und spannend, beinhaltet einen großen Plottwist am Ende und viele kleine Überraschungen auf dem Weg dahin, ist aber wenig glaubwürdig. Trotzdem würde ich immer wieder zu Büchern des Autors greifen – das Lesen hat echt Spaß gemacht!

4/5!

Die stumme Patientin: Psychothriller

384 Seiten / ISBN: 978-3-426-30690-1 / Übersetzung: Kristina Lake-Zapp


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