Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte

Ein Geheimauftrag für Linus Baker

„Das Leben wurde letztendlich immer zu dem, was man daraus machte. Es hing alles von den Entscheidungen ab, die man traf, von den großen ebenso wie von den kleinen.“ (S. 440, „Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“)

Linus Baker, 40 Jahre alt und seit 17 Jahren als Sachbearbeiter bei der Behörde für die Betreuung Magischer Minderjähriger tätig, bekommt einen Auftrag der Geheimhaltungsstufe 4: Er soll für einen Monat auf die Insel von Marsyas gehen. Dort soll er das Heim überprüfen, in dem sechs Kinder von einem gewissen Arthur Parnassus betreut werden. Zum allerersten Mal in seinem Leben sieht Linus den Ozean – und dass das Leben auch ein Abenteuer sein kann…

Gehypt!

Gibt es wirklich Menschen, die Bücher lieben und noch nichts von diesem Titel gehört haben? Ich kann es mir schwer vorstellen. Ich bin jedenfalls nicht mehr daran vorbeigekommen, obwohl ich (bisher?) gar kein allzu großer Fantasy-Fan bin. Aber die ganzen Lobeshymnen haben mich neugierig gemacht und ich kann schon mal vorwegnehmen: Ich finde die laute Begeisterung nachvollziehbar und gerechtfertigt.

Du bist du – und das ist gut so!

Linus Baker spielt die Hauptrolle in diesem Buch – und das macht er sehr gut. Er wirkt zunächst unsicher und ängstlich, hat sich in seiner eintönigen Routine und der Distanz, die sein Job mit sich bringt, immer sicher gefühlt und nie an Veränderungen gedacht. Nun soll er einen ganz speziellen Auftrag erfüllen – und der ist mehr, als er ertragen kann. Fürchtet er zumindest. Aber er macht im Laufe der Geschichte eine riesige Entwicklung durch und erkennt, dass da noch so viel mehr ist – in ihm und im Leben.

Auch die anderen Figuren sind gut gelungen. Es handelt sich hier um einen Urban-Fantasy-Roman und um das Besondere dieses modernen Märchens nicht vorwegzunehmen, möchte ich auf die anderen Charaktere nicht näher eingehen. Das sollte man selbst entdecken. Ich kann aber sagen, dass ich den Heimleiter mit seiner gelassenen Art sehr mochte und auch Zoe hat ihren Platz in dieser Geschichte verdient. Die Kinder, nämlich Talia, Phee, Theodore, Chauncey, Sal und Lucy, fand ich alle sehr originell. Sie bringen etwas Magisches in die Story – in mehrerlei Hinsicht. Keiner hätte fehlen dürfen, alle haben ihre Berechtigung und tragen etwas zum großen Ganzen bei.

Botschaften

„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ steckt voller Wahr- und Weisheiten. Es gibt viele Sätze, die ich mir markiert habe. Ich habe das Buch gestern Abend beendet, aber es ist mir nicht aus dem Kopf gegangen. Vieles wird einem hinterher erst richtig bewusst. Man kann so viel interpretieren. Es ist definitiv etwas, das nachhallt.

Es geht insbesondere um die Themen Anderssein, Verständnis und Akzeptanz.  Body Positivity spielt eine überaus große Rolle. Es geht darum, hinter das Offensichtliche zu schauen. Und es geht darum, das beste Leben für einen selbst zu finden – und zu leben. Das Tolle ist, dass das Ganze da nicht nur einfach steht, sondern dass es den Leser*innen wunderschön verpackt präsentiert wird, so dass es jeder selbst auspacken und erforschen kann.

♥-Zitat: „‚Menschlich zu sein ist seltsam. Wenn wir nicht lachen, weinen wir oder rennen um unser Leben, um nicht von Monstern gefressen zu werden. Und diese Monster müssen nicht einmal real sein. Sie können auch einfach nur in unseren Köpfen existieren. Ist das nicht merkwürdig?‘
‚Das ist es wohl. Aber das ist mir immer noch lieber als die Alternative.‘
‚Die wäre?‘
‚Überhaupt nichts zu empfinden.'“
(S. 186)

Vielfältig und bunt

Der Autor kann auf jeden Fall mit Worten umgehen und mir gefällt, was er aus seiner Idee gemacht hat. Ich habe das Buch unheimlich gerne gelesen, es ist (nicht durchgehend, es gibt natürlich Konflikte, aber letzten Endes) schön und gemütlich, es macht Spaß und gute Laune, es lässt einen glauben, dass Veränderung möglich und das Gute im Menschen existent ist.

Die Geschichte plätschert so vor sich hin. Den Reiz machen insbesondere die Figuren und die Botschaften aus, es braucht also nicht sich ständig überschlagende Ereignisse und unzählige Knalleffekte. Es ist ein ruhiger Roman, der auf der Gefühlsebene spielt und stark ist in den leisen Tönen.

4 Sterne? 5 Sterne?

Um ehrlich zu sein, habe ich die erste Hälfte über gedacht, ich würde 4* vergeben und ich war zufrieden damit. Später wurde es dann hier und da doch berührend, für mich vor allem im Zusammenhang mit Sal, aber auch in anderen Momenten zwischendurch. Als mich das Buch wachgehalten hat, weil ich so viel über den Inhalt nachdenken musste, weil es mich wirklich beschäftigt hat, da schienen mir 4* zu wenig. Ja, die Geschichte ist vorhersehbar. Ja, sie ist ruhig und für die Anzahl der Seiten vielleicht eher handlungsarm. Aber sie ist so vieles, das das aufwiegt. Ich vergebe 4,5* – und wenn ich mich entscheiden müsste, dann 5!

Fazit

„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ ist ein herzerwärmend schöner Roman, der sehr viel zu sagen hat.

4,5/5!

Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte: Roman

480 Seiten / ISBN: 978-3-453-32136-6 / Charlotte Lungstrass-Kapfer


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