Was der Fluss erzählt – Diane Setterfield

Inhalt

Ein Mädchen wird in der Nacht der Wintersonnenwende aus der Themse geholt. Sie ist, wie alle Anwesenden schnell feststellen, ertrunken. Auch die Krankenschwester Rita Sunday kann in „Was der Fluss erzählt“ zunächst keinen Puls bei der etwa 4-Jährigen feststellen. Ja, zunächst. Denn die Kleine wird doch wieder lebendig. Die Frage, wie das möglich ist, wird nicht die einzige bleiben. Zu wem gehört sie? Zu dem schwerverletzten Mann, der sie hergebracht hat? Oder zu den wohlhabenden Vaughans, deren damals 2-jährige Tochter vor zwei Jahren entführt wurde? Vielleicht doch zu Lily, einer Frau in den 40ern, die behauptet, das Kind sei ihre Schwester? Oder gehört sie zu Robin Armstrong, der eine frappierende Ähnlichkeit zu seiner verschwundenen Tochter feststellt?

Mysteriös

Die Story ist mysteriös. Ein Mädchen, erst tot, dann lebendig. Mehrere Menschen, die überzeugt sind, dass es zu ihnen gehört. Ich fand die Grundidee sehr spannend. Besonders gereizt hat mich die Auflösung – würde sie mich zufriedenstellen? Würde es plausible Erklärungen geben?

Es ist eine Geschichte, die im 19. Jahrhundert spielt, märchenhaft rüberkommt, übersinnliche Momente enthält – und dann doch wieder ganz realistisch wird. Man kriegt von allem etwas. Und ich kann schon mal vorwegnehmen: Ja, Diane Setterfield hat den Roman für mich gut aufgelöst.

Eine Geschichte von Geschichtenerzählern

Das Erzählen von Geschichten spielt in dem Roman eine große Rolle. Alles fängt im Swan an, einem alten Wirtshaus in Radcot, in dem man sich trifft, um sich Geschichten zu erzählen. Und auch die Autorin hat ein riesengroßes Erzähltalent. Sie kann aus der kleinsten Kleinigkeit etwas Großes machen, zu etwas, zu dem anderen ein Satz einfällt, sagt sie mehr als einen Absatz, ohne dass es zerredet klingt. Dadurch wird das Buch aber auch zu einem, das man nicht mal eben nebenbei wegliest. Ich habe für meine Verhältnisse lange gebraucht, um ans Ende zu kommen. Ehrlich gesagt fehlte mir immer mal wieder die Lust, weiterzulesen. Manchmal wanderten meine Gedanken auch währenddessen weg vom Inhalt. Es gibt viele Beschreibungen. Man muss in der Stimmung sein für eine ruhige Geschichte, die ganz gemächlich dahinplätschert, eine, deren Schönheit vor allem in den Worten selbst zu finden ist – dann wird es sicher ein Vergnügen.
Mir hat es zum Ende hin besser gefallen, wobei für mich der (zarte) Schwung erst weit nach dem Kapitel kam, dessen Name Tempo verspricht. Endlich war ich richtig gefesselt. Der eigentliche Schluss fällt im Vergleich sogar recht knapp aus.

Figuren

Es gibt allerhand Figuren, die eine wichtige Rolle spielen. Ganz besonders angetan hat es mir Mr. Armstrong, der Landwirt mit dem riesengroßen Herzen. Er ist eine Figur voller Gefühl, eine, die mich mehr als einmal berührt hat.

Auch die Entwicklungen zwischen der Krankenschwester Rita Sunday und dem Mann aus dem Fluss, Fotograf Henry Daunt, haben mich gekriegt. Dass Henry Daunt, wie ich im Nachwort erfahren habe, sogar einen wahren Hintergrund hat, fand ich interessant und toll.

Quietlys Part hat mir manchmal ein bisschen Gänsehaut beschert.

Ich konnte mir alle handelnden Personen gut vorstellen und fand sie samt und sonders gelungen.

Ansprechend

Die Autorin holt ihre Leser*innen ab, indem sie sie – wenn auch selten – per Du anspricht. Mir hat besonders gefallen, wie sie die Geschichte zu Ende gebracht – und ihre Leserschaft verabschiedet hat. Ein sehr gelungener Abschied von der Themse.

Fazit

„Was der Fluss erzählt“ ist geheimnisvoll. Ich habe – genau wie die Geschichtenerzähler im Buch – gerätselt, was hinter dem Vorfall steckt und zu wem die Kleine gehört. Manchmal fehlte mir dennoch die Lust zum Weiterlesen, es ist eine sehr ruhige Story. Das Erzähltalent der Autorin ist groß. Ich kann alle verstehen, die dem Buch 5* geben, ehrlich. Aber ich fühle auch die, die mit 3* bewerten und sich zwischendrin gelangweilt haben. Ich war auf beiden Seiten, immer wieder. Deshalb gibt‘s die Mitte.

4/5!

Was der Fluss erzählt: Roman

576 Seiten / ISBN: 978-3-89667-329-9 / Übersetzung: Anke und Eberhard Kreutzer


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