Das andere Tal – Scott Alexander Howard

Das andere Tal - Scott Alexander Howard

„Das andere Tal“ von Scott Alexander Howard ist eine langsame Geschichte, in der Zeitreisen in die 20 Jahre entfernte Vergangenheit und Zukunft möglich, bis auf Einzelfälle aber untersagt sind.
Wird Odile sich darüber hinwegsetzen, um einen geliebten Menschen zu retten?
Und: Würdest du?

2.5/5

Inhalt

Die 16-jährige Schülerin Odile Ozanne lebt in einem Tal, das von den umliegenden durch bewachte Stahldrahtzäune isoliert ist. Die Täler sind identisch – aber das nächstgelegene Tal im Westen (Ouest) befindet sich 20 Jahre zurück, das im Osten (Est) 20 Jahre in der Zukunft. Kontakte mit den Menschen, etwa in Ouest 1, sind verboten. Ausnahmen gibt es für trauernde Angehörige, die einen Antrag beim Conseil stellen können. Einstimmig von beiden betroffenen Tälern genehmigte Besuche erfolgen maskiert und unter Aufsicht eines Gendarmen, um zu verhindern, dass in die Geschehnisse eingegriffen wird.

Odile bewirbt sich im Conseil um einen Ausbildungsplatz. Ihre Mutter arbeitet im Hôtel de Ville als Archivarin, weil sie es nicht zur Conseillère geschafft hat. Nun setzt sie auf ihre Tochter. Tatsächlich kommt die schüchterne Einzelgängerin durch eine beunruhigende Beobachtung in die Vorauswahl – und weiter als gedacht, obwohl sie die Hoffnungen ihrer Mutter zunächst nicht teilt. Doch ihr Wissen macht ihr zu schaffen, denn sie hat Edmes Eltern in den maskierten Besuchern aus der Zukunft erkannt. Was stößt ihm zu? Kann sie es verhindern? Und: Soll sie es versuchen – und damit die Selbstauslöschung in Kauf nehmen?

Gute Idee

In die Vergangenheit eingreifen, die Geschehnisse verändern, ein Unglück abwenden – das sind Themen, über die man sich viele Gedanken machen kann. Wie anders hätte sich alles entwickelt?! Der Schmetterlingseffekt lässt grüßen.

"Ich wusste, wozu verzweifelte Menschen in der Lage waren. Wenn jemand entschlossen war, in die Vergangenheit einzugreifen, war der Wunsch nach Veränderung meist so überwältigend stark, dass es zu einer Manie, einem Wahn wurde, gegen den die Angst vor Selbstauslöschung nichts ausrichten konnte."

Scott Alexander Howard hat eine ganz einfache Welt ohne komplizierte Besonderheiten entworfen, eine, die uns nicht fremd vorkommt. Zeitreisen sind leicht – man könnte einen Spaziergang in die Vergangenheit oder Zukunft machen, wenn die Grenzen nicht gesichert und Besuche nur wenigen trauernden Familienmitgliedern mit großem Abstand erlaubt wären. Eine Zeitmaschine ist nicht nötig. Wir haben hier eine simple Idee mit Potenzial, auch wenn die Vorstellung und alles, was sie mit sich bringt, anfangs verwirren mag.

Die Geschichte um die Thematik herum ist ebenfalls nicht uninteressant: Die Protagonistin beobachtet etwas, das ihr verrät, dass Edme, in den sie sich verliebt, ein Unglück zustoßen wird. Er wird sterben. Das ist eine spannende Ausgangslage, vor allem, weil es sich um Odile handelt, die gemobbt wird, den Traum ihrer Mutter umsetzt und nicht weiß, was sie will. Die Jugendliche in eine solche Situation zu bringen, bringt viel Raum für Entwicklung mit sich. Und auf den ersten Seiten hat mich „Das andere Tal“ auch gekriegt – im Verlauf aber immer mehr verloren.

Zu lang umgesetzt

Es ist nicht leicht, über „Das andere Tal“ zu schreiben, ohne zu viel zu verraten, denn es passiert wenig. Alles läuft auf die Szenen am Ende hinaus, die man kommen sieht. Der Weg dahin zieht sich. Durch den zweiten Teil und seine Ausführlichkeit habe ich mich gekämpft. Ich musste mich überreden, weiterzulesen, war mehrfach kurz davor, aufzugeben, was nicht mein Ding ist, schon gar nicht bei Büchern, von denen ich mehr als … sagen wir: fünf Seiten gelesen habe. Es gibt ein paar Vorwegnahmen, die neugierig machen sollen. Letztlich habe ich es zum Ende geschafft, aber es fühlte sich zu lang und nicht spannend genug an. Außerdem habe ich durch die Beschränkung, dass nur einzelne Trauernde in eine andere Zeit reisen dürfen und wir ihre Geschichte grob kennen lernen, erwartet, dass mich der Inhalt sehr berühren würde, doch das war nicht der Fall.

Aufbau/Stil

Wir lesen das Buch, in dem Zeitreisen möglich, aber bis auf wenige Ausnahmefälle untersagt sind, aus Odile Sicht in der Ich-Form. Im ersten Teil verfolgen wir ihre Erlebnisse als Jugendliche, im zweiten ist sie Mitte 30 und wir erfahren, wie sehr das Schicksal Edmes ihre Entscheidungen, ja, ihr Leben beeinflusst hat. Ich hätte mir gewünscht, mehr mit ihr zu fühlen.

Der Schreibstil ist in Ordnung. Auffällig ist, dass es keine Anführungszeichen gibt. Ob gesprochen wird oder nicht, muss man sich aus dem Kontext erschließen. Das trifft sicher nicht jeden Geschmack, mich hat es nicht gestört.

Das Tempo lässt meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Es ist ein ruhiger Debütroman, der zum Nachdenken bringt. Das ist nicht schlecht. Aber es ist keiner, der es geschafft hat, mich von Anfang bis Ende gut zu unterhalten – und das hätte ich schon gern.

Fazit

Die Idee hat mir besser gefallen als das Gelesene, das mir zu lang und ereignisarm vorkam.

Das andere Tal - Scott Alexander Howard

Das andere Tal – Scott Alexander Howard

Originaltitel: The Other Valley (2024)

Übersetzung: Anke Caroline Burger

Verlag: Diogenes

Erschienen: 20.03.2024

Seiten: 464

ISBN: 978-3-257-07282-2

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Vielleicht habe ich es nicht so mit Zeitreisen?

Deine Meinung

2 Kommentare

  1. Nun, ich habe es auch nicht mit Zeitreisen – da muss dann die logische Vielweltentheorie herhalten, und alles wird mir zu verrückt, es sei denn, es ist tatsächlich amüsant, verrückt und auf einen sehr kleinen Kreis der Figuren beschränkt, wie bei Zurück in die Zukunft :) … ich hatte eigentlich irgendwann mal vor in dieses Buch zu schauen. So richtig aber hat mich das jetzt nicht umgehauen. Ich bleibe also skeptisch! Danke für die schöne Besprechung. Gibt es Zeitreisen-Bücher, die du magst, Die Frau des Zeitreisenden habe ich noch hier. Crichton Timelines fand ich nicht so gut …

    1. Hier ist tatsächlich alles simpel und klein gehalten, es war mir bloß zu langweilig. Ich fand’s vorhersehbar und es fühlte sich eher wie ein Kampf an als spaßig. Der Schreibstil ist auch absolut nichts Besonderes. Tja.
      Bisher habe ich kein Zeitreisen-Buch gefunden, das ich mag. Ob es wirklich an der Thematik liegt, weiß ich nicht, ich werde aber lieber nicht gezielt nach weiteren Geschichten dieser Art suchen. :D

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